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Das Magazin für Dienstleistung, Unterhaltung und Shopping im Girardet Haus.
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Urbane Qualität setzt sich durch

Dietmar Otremba (54), Firmengründer und Geschäftsführer aller Gesellschaften der OTREMBA-Gruppe erläutert in diesem Interview seine Unternehmensphilosophie, seine Vorstellungen von Stadtgestaltung, seine besonderen Beziehungen zu Essen und seine Erwartungen hinsichtlich der Entwicklung des Girardet Hauses.

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Es wird derzeit viel über Unternehmensphilosophien geredet, aber meistens ist nichts anderes damit gemeint als bestimmte Vorstellungen vom Geldverdienen. Von Ihnen hört man dagegen in diesem Zusammenhang auch den Begriff Verantwortung. Was verstehen Sie darunter?

Dietmar Otremba:
Verantwortung erfordert langfristige Planung, also dass man geschäftliches handeln nicht nur aus den gegenwärtigen Bedingungen, sondern auch aus den absehbaren Folgen heraus begründet. Für jemanden, der im Immobilienbereich tätig ist, haben solche Überlegungen besondere Bedeutung. Denn Immobilien sind ja nun ganz langlebige Investitionsgüter, die auch in 30 Jahren noch Sinn machen sollen. Ich muss folglich heute dafür sogen, dass die Menschen in meinen Häusern morgen noch gut leben und arbeiten können und das die technische Ausrüstung nicht sehr bald schon „von gestern“ ist.

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Verantwortung als Investition in die Zukunft. Gibt es dafür auch persönliche Gründe? Haben Sie Kinder?

Dietmar Otremba:
Ja, ich habe Kinder und Enkel, eine große intakte Familie. Das spielt sicher eine Rolle.

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Sie haben – um noch einen Moment bei der Zukunft zu bleiben – die Stadt als Lebensraum einmal „Brutal und unökologisch“ genannt. Wie sieht denn Ihre Stadt der Zukunft aus? Immerhin nehmen sie ja maßgeblichen Einfluss darauf.

Dietmar Otremba:
Eine wirkliche Stadt muss hoch und dicht, also konzentriert bebaut sein. Daran kann sich auch in Zukunft nichts ändern. Wohlgemerkt: im Interesse der Intaktheit des ganzen Landes. Stellen Sie sich vor, Sie würden das Konzentrat Stadt auflösen und in der Fläche verteilen. Verkehrswege und Versorgungsnetze würden immer mehr zunehmen und immer weiter auseinandergezogen. Unmengen Land müssten versiegelt werden. Insgesamt gesehen, wäre das verhängnisvoll. Eine konzentrierte Stadt ist zumindest nur in sich eine herzlich unökologische Sache und von den beiden Möglichkeiten zweifellos die mit den geringeren Nachteilen.

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Als ich Sie nach Ihrer Stadt der Zukunft fragte meinte ich nicht nur ökologische und ökonomische Notwendigkeiten, sondern Ihre Visionen, Ihre Wunschvorstellungen von Stadt...

Dietmar Otremba:
Für mich muss die Stadt der Zukunft so konzipiert sein, dass sich alle Funktionen mischen und dass nicht am einen Ende gewohnt und am anderen ende gearbeitet wird. Beides muss auf demselben Raum passieren, so wie das hier in Rüttenscheid schon der Fall ist.

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Aber im Grunde sind diese kleinräumigen Strukturen, ist doch dieses Gemisch von Wohnen und Arbeiten, von Gewerbe und Einzelhandel, von Gastronomie und Dienstleistung nicht mehr gerade typisch für die Großstadt. Das hat doch eher etwas dörflich Überschaubares. Versuchen Sie das Dorf in der Stadt zu etablieren?

Dietmar Otremba:
Nein, nein. Die Trennung der Funktionsbereiche hat sich zwar in diesem Jahrhundert und vor allem nach dem zweiten Weltkrieg immer weiter entwickelt, aber das ist ja nicht die Urform von Stadt. Die großen Städte des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit waren mit ihrem Nebeneinader von Wohnen und Arbeiten stilbildend bis zum letzten Jahrhundert. Auch im alten essen haben die Leute direkt neben den Fabriken gewohnt, in denen sie gearbeitet haben. Und dort waren auch Läden in denen Sie eingekauft haben. Manche Mischungen wären aber natürlich heute nicht mehr vertretbar. Beispielsweise könnte man lärmende oder luftverschmutzende Betriebe niemandem mehr in seiner Wohnumgebung zumuten...

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Eben. Deshalb galt dich diese Idee von der Funktionstrennung in den 20er Jahren als so ungemein fortschrittlich. Das war doch eine Frage von Lebensqualität...?

Dietmar Otremba:
Ja, genau. Darum konnte die Bauhaus-Bewegung eine architektonische Ideologie daraus zimmern. Man hat damals beschlossen, Wohnungen im Grünen zu bauen, Amüsierbetriebe im Stadtzentrum und Fabriken möglichst weit weg von allem. Aber irgendwann hat man die fatalen Folgen dieses gut gemeinten Konzepts begriffen. Nur eine davon ist der riesige Verkehrsstrom, der sich jeden morgen und jeden Abend kreuz und quer durch die ganze Stadt wälzt und eine ungeheure Menge an Dreck und Krach verursacht. Das allein sind schon gute Gründe, gerade in der Großstadt zu kleinräumigen Strukturen zurückzukehren – jedenfalls so weit wie möglich.

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Kleinräumige Strukturen haben wir ja im Girardet Haus durchaus. Es gibt von vielem etwas, aber Wohnungen gibt es nicht, weil das Baurecht sie verbietet. Kann man da nichts machen?

Dietmar Otremba:
Es wäre wünschenswert, dass das Baurecht eine flexiblere Handhabung zuließe. Dieses Areal war im Bebauungsplan als Industriestandort ausgewiesen. Um es wenigstens zum allgemeinen Arbeitsgebiet zu erklären, wurde ein Genehmigungsverfahren nach § 34 Baugesetzbuch eingeleitet, das die Zustimmung aller Nachbarn voraussetzte. Die haben wir auch bekommen. Alle waren einsichtig und wohlwollend. Noch einen Schritt weiter zu gehen und auch Wohnnutzung zuzulassen, also das Gelände als Mischgebiet auszuweisen, das sah die Gemeinde ohne einen neuen Bebauungsplan als nicht möglich an. Ich will deshalb niemanden schelten, aber schade ist es schon.

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Die meisten Ihrer Häuser liegen in Berlin und Umgebung. Das ist ziemlich weit entfernt vom Ruhrgebiet. Was hat Sie bewogen, hier zu bauen?

Dietmar Otremba:
Nun ja, ich war schon immer daran interessiert unter der Käseglocke hervorzukommen, um den richtigen Maßstab nicht zu verlieren. Das ist natürlich auch ein Problem der Arbeitsökonomie, und bei der Entscheidung für essen haben der kurze Weg zum Flughafen und die zahlreichen Verbindungen zwischen Berlin und Düsseldorf eine große Rolle gespielt.

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Aber diese Bedingungen erfüllen andere Städte auch. Warum also gerade Essen?

Dietmar Otremba:
Ich habe fünf Jahre in essen gelebt und gearbeitet. Hier begann meine berufliche Laufbahn.

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Wann war das?

Dietmar Otremba:
Von 1962 bis 1966. Meine zweite Tochter ist hier geboren. Gewohnt haben wir damals am Anfang von Bredeney, in der Einigkeitstraße.

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Was hat Sie als Berliner hierher verschlagen?

Dietmar Otremba:
Der Zufall. Ich habe gleich nach dem Mauerbau mein Examen gemacht. Da war die Situation in Berlin sehr schwierig. Und man ging als Berufsanfänger halt dahin, wo die Jobs waren. In Essen wurde ein Direktionsassistent gesucht, und man hat mich genommen. Ein freundlicher Mensch half uns eine Wohnung zu finden. Die lag in Altenessen und war ziemlich billig, aber laut. Deshalb sind wir später nach Bredeney gezogen.

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Die gute Beredeneyer Luft wird aber vermutlich nicht der Grund gewesen sein, hier 160 Millionen Mark zu investieren, oder?

Dietmar Otremba:
Nein, aber vielleicht dafür, die Stadt nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Vor einigen Jahren habe ich schon eine Seniorenresidenz in Steele gebaut. Und wegen eines weiteren Projektes dieser Art war ich mit einem Partner in NRW unterwegs, als er mich auf das Girardet Fabrikgebäude aufmerksam machte. Drei Wochen später habe ich sie gekauft. Diese besondere städtische Situation hat mich unwiderstehlich gereizt. (Wo wir wieder beim Thema wären.) Und dann war mir sofort klar, dass man aus diesen alten Hallen eine Menge würde machen können.

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War Ihnen denn auch klar welche Schwierigkeiten damit auf Sie zukommen würden?

Dietmar Otremba:
Nein! Es war ein viel größeres Abenteuer, als ich mir damals vorstellte. Ich habe nicht bedacht, wie fremd ein solches Zentrum in dieser Gegend zunächst einmal ist. Bekannt sind Einkaufszentren, Kinozentren oder medizinische Zentren. Aber ein Gebilde wie das Girardet Haus, in dem nicht nur Einzelhandel und Gastronomie, sondern auch Dienstleistung, Handwerk und Kultur, Ärzte und Änderungsschneider, Diskothek und Galerie, Tanzschule und Kindergarten, Theater und Markthalle unter einem großen Dach existieren sollen, das ist hier neu. Und das macht die Leute skeptisch, sowohl potentielle Nutzer als auch Kunden. Man bricht hier nicht gern und schon gar nicht schnell mit alten Gewohnheiten. Da muss man sich langsam herantasten, die erfahrung machen, dass so etwas eine ganz spannende Geschichte ist, dass man sich eigentlich auch leicht hier zurecht findet, dass man sein Auto parken kann. Das dauert. Das dauert hier länger als anderswo.

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worauf führen Sie das zurück?

Dietmar Otremba:
Ich vermute, es hat etwas damit zu tun, dass das Ruhrgebiet wirtschaftlich immer von Großkonzernen beherrscht wurde. Solche Firmenkolosse stehen zwar für Sicherheit und Beständigkeit, aber kreativ, flexibel, innovativ kann so ein Unternehmen gar nicht mehr sein. Da lässt man´s lieber beim Alten, ehe man unnötige Risiken eingeht. Zwar hat sich mit dem Strukturwandel auch hier vieles verändert. Doch das ist ein Prozess, und der hat gerade erst begonnen.

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Ihren eigenen Vorstellungen müsste das Girardet Haus mit seiner fast unbegrenzten Nutzungsvielfalt von allen Objekten am nächsten kommen?

Dietmar Otremba:
Das tut es auch. Ich bin immer noch begeistert von den Standortvorteilen und den Möglichkeiten, die diese Gebäude bieten.

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Sehen Sie dennoch Veranlassung Ihr Konzept zu korrigieren?

Dietmar Otremba:
Nicht grundsätzlich. Ich kann warten, bis es sich durchsetzt. Aber natürlich werden wir im Einzelnen versuchen, stärker auf die Bedürfnisse der Leute einzugehen. Beispielsweise bei der Neueröffnung des Marktes, da kommt eine Supermarkt hinzu, der das Angebot der Stände ergänzt.

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Eine letzte Frage, Herr Otremba. Alle Welt weiß, wie man Bäcker oder Lehrerin wird. Aber kaum jemand weiß, wie man reich und mächtig wird. Wissen Sie´s?

Dietmar Otremba:
Darauf möchte ich mit Fontane antworten: „Gaben – wer hätte sie nicht? Talente – Spielzeug für Kinder. Erst der ernst macht den Mann, erst der Fleiß das Genie.“
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