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Das Magazin für Dienstleistung, Unterhaltung und Shopping im Girardet Haus.
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Dietmar Otremba über ungenutzte Chancen, falsche Konzepte und gute Aussichten
Die Innenstadt zurückgewinnen
Dietmar Otremba, 61, ist Geschäftsführender Gesellschafter der Berliner Unternehmensgruppe Otremba, der Eigentümerin und Betreiberin des Girardet Hauses. Fünf Jahre nach der Neueröffnung des ehemaligen Druck- und Verlagshauses als mulifunktionales Zentrum zieht er erstmals Bilanz.
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Als das Girardet Haus eröffnet wurde, haben Sie ihm fünf Jahre Zeit gegeben, sich als gute Adresse bei Mietern und Besuchern zu etablieren. Hat die Zeit gereicht? Sind Sie mit dem Stand der Dinge zufrieden?
Dietmar Otremba:
Annähernd. Es gab Schwierigkeiten, die wir nicht vorhersehen konnten. Deshalb fällt diese erste Bilanz nicht ganz so günstig aus, wie es unter anderen Umständen möglich gewesen wäre.
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Welche Umstände meinen Sie?
Dietmar Otremba:
Zum einen hat die Gesundheitsreform von 1993 unseren Plan eines Medizinzentrums, das alle wichtigen Fachrichtungen unter einem Dach vereint, teilweise durchkreuzt. Eine Niederlassungssperre verhinderte den Einzug mehrerer Ärzte, deren Fachgebiete nun leider unbesetzt bleiben mußten. So fehlen z.B. ein Zahnarzt und auch ein Allgemeinmediziner. Außerdem hat uns die Immobilienkrise zumindest in ihrer Heftigkeit überrascht. Nach einem Bauboom war plötzlich das Angebot an Gewerbeflächen viel größer als die Nachfrage. Glücklicherweise gleicht sich das jetzt allmählich wieder aus...
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Glauben Sie, die Überkapazitäten bei Gewerbe-Immobilien haben etwas mit der Zurückhaltung des Einzelhandels gegenüber dem Girardet Haus zu tun?
Dietmar Otremba:
Mag sein. Das Girardet Haus ist zwar nie als Einkaufszentrum konzipiert gewesen, aber zur Multifunktionalität gehören Läden in gewissem Umfang dazu.
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Sehen Sie denn Möglichkeiten, die Voraussetzungen für Einzelhändler hier im Haus noch zu optimieren?
Dietmar Otremba:
Nein. Sie sind für Kaufleute mit ein wenig Einfallsreichtum und einem Gespür für‘s Machbare doch fast ideal. Die zentrale Lage und die preiswerten Parkplätze direkt vor der Tür machen das Haus kundenfreundlich. Und was das Sortiment anbelangt, braucht ein Einzelhändler hier nur an die vorhandenen Einrichtungen anzuknüpfen.
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Zum Beispiel?
Dietmar Otremba:
Zum Beispiel haben wir im Girardet Haus eine Nestgruppe, eine Kindertagesstätte und eine Musikschule, und kein Händler kommt auf die Idee, einen Spielzeugladen oder eine Kinder-Boutique zu eröffnen. Darüber kann ich mich nur wundern.
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Nun aber mal zur Haben-Seite. Was ist denn so, wie es sein soll?
Dietmar Otremba:
Natürlich gibt es genug Grund zur Freude. Sogar unter den Einzelhändlern. Die Einrichtungsgeschäfte – alle mit einem hochwertigen Sortiment – können meines Wissens nicht klagen. Auch die Gaststätten, ob sie die Kneipen oder die Restaurants, das Café oder die Diskothek nehmen, sind abends voll. Nicht zuletzt das Ärztezentrum hat sich trotz der erwähnten Unvollständigkeit großartig entwickelt. Hier praktizieren Fachärzte mit einem erstklassigen Ruf und großem Zulauf. Dr. von Hasselbach etwa leistet mit seiner Arthro-Klinik einen ganz fortschrittlichen Beitrag zur medizinischen Versorgung und versteht es außerdem, sich die hier möglichen Synergie-Effekte zunutze zu machen. Gerade erst hat er wieder einen Kongreß im Satiricon-Theater veranstaltet, dessen Räume sich dafür bestens eignen. So wie das Reha-Zentrum bei Unterwasserbehandlungen auf das Schwimmbad der Senioren-Residenz zurückgreift.
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Gibt es bei so vielen verschiedenen Mietern eigentlich keine divergierenden Interessen?
Dietmar Otremba:
Nein, die meisten profitieren direkt oder indirekt voneinander, und alle zusammen profitieren von den förderlichen Rahmenbedingungen. Wenn es Probleme gibt, dann allenfalls unter Vertretern desselben Bereichs. Aber das betrachte ich als produktive Unruhe. Konkurrenz belebt.
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Wer oder was hat zum Erfolg des Girardet Hauses beigetragen? Ist es nur das gute Konzept, das sich am Ende durchsetzt?
Dietmar Otremba:
Nun, der Erfolg hat bekanntlich viele Väter, während an den Mißerfolgen ich allein schuld bin. Scherz beiseite, natürlich haben einige Leute ihre Sache hervorragend gemacht und dadurch wesentlich zum Gelingen unseres Projekts beigetragen. Neben Frau Mindt, die als Geschäftsführerin tätig ist, und der Agentur Trisign, die die Werbung für uns macht, sind das alle Unternehmer, die mit ihren persönlichen Erfolgen das positive Image des Hauses prägen.
Schließlich haben wir einiges auch dem Wuppertaler Architekten Baron zu verdanken, der damals den komplizierten Umbau des Hauses entworfen hat.
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Die weitgehende Bewahrung der historischen Substanz ist Ihnen ja ein großes Anliegen gewesen. Haben Sie den Eindruck, daß die Mieter das zu schätzen wissen?
Dietmar Otremba:
Na ja, in schwierigen Zeiten wie diesen ist der Quadratmeterpreis meist ein wichtigeres Argument als das Ambiente. Aber das muß man langfristig betrachten...
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Hat die Stadt irgendeinen Anteil am Aufwärts-Trend des Girardet Hauses?
Dietmar Otremba:
Sicher nicht. Aber das haben wir auch gar nicht erwartet. Ich bin froh, daß wir es aus eigener Kraft geschafft haben. Was mit öffentlichen Geldern angeschoben werden muß, fährt oft nicht von allein.
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Rechnen Sie auch nicht mit immate-rieller Unterstützung der Sadt? Ich denke beispielsweise an die städtische Marketing- Offensive in Gestalt der EMG, die sich ja auch für die Stadtteilzentren stark machen will.
Dietmar Otremba:
Wenn sie das wirklich will, dann sollte sie zuerst dafür sorgen, daß diese unsinnige Parkreglementierung wieder vom Tisch kommt und ein vernünftiges Verkehrsleitkonzept entworfen wird. Obwohl das Girardet Haus mit seinen eigenen Parkplätzen nicht direkt davon betroffen ist, würde ich den Verantwortlichen in Essen dringend empfehlen, mal einen Blick über den Zaun zu werfen und sich von den Ideen anderer Städte inspirieren zu lassen. So ein rigides Vorgehen wie hier gibt es sonst in kaum einer Großstadt.
Wenn man versucht, die Leute zu gängeln, zu bevormunden, zu zwingen, darf man sich nicht darüber wundern, daß sie ins Rhein-Ruhr-Zentrum oder ins Centro fahren und die Innenstadt und die Stadtteilzentren immer mehr veröden. Die Lösung der Verkehrsprobleme, ohne daß dabei neue Probleme geschaffen werden, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein funktionierendes Stadtleben.
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Dazu trägt das Girardet Haus ja durchaus seinen Teil bei. Mit seiner großgewerblichen Vergangenheit gilt das Haus nun als Musterbeispiel für Strukturwandel. Ist der Plan, den Sie hier umgesetzt haben, ein Patentrezept zur Reaktivierung ausgedienter industrieller Monostrukturen, von denen es auch in den neuen Ländern einige gibt?
Dietmar Otremba:
Patentrezept würde ich das nicht nennen. Jeder Standort bedarf individueller Lösungen. Aber die Grundidee, die ist schon richtig, beliebig übertragbar und im übrigen längst nicht mehr neu. In den alten Londoner Docklands zum Beispiel hat sich schon vor vielen Jahren neues Leben entwickelt: Pubs, Shops, ein kleiner Yachthafen... Immer privat finanziert, wohlgemerkt, und deshalb auch langfristig von Bestand. Worum es geht, ist dort wie hier die Rückgewinnung der Innenstadt, die, in der die Menschen wirklich leben, nicht nur arbeiten oder nur wohnen oder nur einkaufen. Die Urbanität geht verloren, wenn so eine Stadt in Funktionsbereiche aufgeteilt wird, zwischen denen die Menschen bloß noch hin- und herfahren.
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Letzte Frage, Herr Otremba: Können Sie sich nach den Erfahrungen, die Sie hier gemacht haben, vorstellen, sich auch an anderer Stelle in Essen oder Umgebung als Investor zu engagieren?
Dietmar Otremba:
Vorerst nicht. Mit dem Projekt Girardet Haus ist das Kapitel Essen für mich erst einmal abgeschlossen. Künftig werden wir uns stärker nach Osten orientieren. Da gibt es Raum für Initiativen und vielfach noch eine große Offenheit und Neugier.
Das Interview führte Ulrike Vetter.
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